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Ausgewählte Produktionen 1970–1979

Die Verrohung des Franz Blum

Die Verrohung des Franz Blum Regie: Reinhard Hauff
Drehbuch: Burkhard Driest
Kamera: W.P. Hassenstein
Schnitt: Jane Seitz
Cast: Jürgen Prochnow, Tilo Prückner, Eike Gallwitz
Genre: Drama
Jahr: 1974
Länge: 104 Min.

Inhalt: Franz Blum, Sohn aus gutem Hause und als Versicherungsangestellter mit Abitur karriereverdächtig, bricht plötzlich aus seiner bürgerlichen Existenz aus: Er beteiligt sich an einem Banküberfall, wird verhaftet und wegen schweren Raubes vor Gericht gestellt; Blum wird fünf Jahre hinter Gittern verbringen müssen. In der Haft kommt Blum, sensibel und gerechtigkeitsliebend, zunächst mit der brutalen Hackordnung nur schwer zurecht. Er schlägt sich auf die Seite der ärmsten Schweine, auch mit  seinen Fäusten; man schneidet, quält und demütigt ihn.

Erst allmählich lernt der intelligente Blum, wie man im Knast auch überleben kann: Er macht sich lieb Kind bei den Beamten, denunziert seine Zellennachbarn, prügelt sich zur Respektsperson hoch, reißt den Schwarzmarkt mit Schnaps und Zigaretten und den anstaltseigenen Sportverein an sich und geht schließlich bei dem zu Tode gehetzten Bielich sogar über eine Leiche, um die er dann scheinheilig trauert. Gemein und gewalttätig hat er „Zucht und Ordnung“ in den dumpfen Haufen gebracht, wofür ihm die Anstaltsleitung dankbar ist: Man lässt ihn, nunmehr ein angeblich besserer, sprich angepasster Mensch, vorzeitig frei.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Die verlorene Ehre der Katharina Blum Regie: Margarethe von Trotta, Volker Schlöndorff
Drehbuch: Margarethe von Trotta, Volker Schlöndorff
Kamera: Jost Vacano, Dietrich Lohmann
Schnitt: Peter Przygodda
Cast: Angela Winkler, Mario Adorf, Dieter Laser, u.A.
Genre: Drama
Jahr: 1974
Länge: 106 Min.

Inhalt: Nach einer ausgelassenen Karnevalsfeier verbringt die junge, attraktive und alleinstehende Haushälterin Katharina Blum die Nacht mit einer Zufallsbekanntschaft. Am nächsten Morgen stürmt ein SEK der Polizei ihre Wohnung, auf der Suche nach dem Mann, der als mutmaßlicher Terrorist gesucht wird – doch der Gesuchte ist bereits verschwunden. Durch diesen Vorfall gerät Katharina Blum ins Visier von Polizei und Medien. Der ermittelnde Kommissar nimmt sie in die Mangel, sie verliert ihre Arbeit, wird von Nachbarn angefeindet, und der zynische Reporter eines großen deutschen Boulevardblattes zieht ihr gesamtes Leben in den Schmutz. Als der psychische und menschliche Druck aus Vorurteilen, Verunglimpfungen und offenem Hass immer unerträglicher wird, greift Katharina zur Waffe, um den letzten Rest ihrer Ehre zu retten.

Messer im Kopf

Messer im Kopf Regie: Reinhard Hauff
Drehbuch: Peter Schneider
Kamera: Frank Brühne
Musik: Irmin Schmidt
Cast: Bruno Ganz, Angela Winkler, Hans-Christian Blech, Heinz Hoenig
Genre: Drama
Jahr: 1978

Inhalt: Deutschland, im Herbst 1978. Der Biogenetiker Hoffmann wird bei einer Razzia in einem „konspirativen“ Jugendzentrum durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Durch die Verletzung verliert Hoffmann sein Gedächtnis und einen erheblichen Teil seiner motorischen Fähigkeiten – er muss Gehen und Sprechen völlig neu erlernen.

Für die Polizei ist Hoffmann ein Verbrecher, der Kopfschuss des Beamten Notwehr. Auch ein großer Teil der Medien verurteilt ihn als „Terroristen“. Die „linke Szene“ hingegen feiert ihn als Martyrer. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, macht Hoffmann sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit.

Deutschland im Herbst

Deutschland im Herbst Regie: Alexander Kluge, Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, u.A.
Drehbuch: Heinrich Böll, Alexander Kluge, Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, u.A.
Kamera: Michael Ballhaus, Bodo Kessler, Günther Hörmann, u.A.
Cast: Rainer Werner Fassbinder, Liselotte Eder, Wolf Biermann, Vadim Glowna, Hannelore Hoger, u.A.
Genre: Dokumentarfilm, Drama
Jahr: 1978
Länge: 123 Min.

Inhalt: Ein so genannter „Omnibusfilm“, in dem elf namhafte deutsche Regisseure versuchen, die Stimmung in der krisengeschüttelten Bundesrepublik nach der Entführung und Ermordung Hans Martin Schleyers sowie den Selbstmorden der in Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen zu reflektieren. Stilistisch und methodisch folgen sie dabei höchst unterschiedlichen Ansätzen: Während beispielsweise Volker Schlöndorff sich an einem Thesenstück über den Antagonismus von Kunst und Politik versucht, und Alexander Kluge einen Zusammenschnitt dokumentarischer Aufnahmen beisteuert, ist der Beitrag von Rainer Werner Fassbinder eine „schonungslose physische und psychische Selbstentblößung“ („Lexikon des internationalen Films“).

Das zweite Erwachen der Christa Klages

Das zweite Erwachen der Christa Klages Regie: Margarethe von Trotta
Drehbuch: Margarethe von Trotta, Luisa Francia
Kamera: Franz Rath
Schnitt: Annette Dorn
Cast: Tina Engel, Silvia Reize, Katharina Thalbach
Genre: Drama
Jahr: 1978
Länge: 92 Min.

Inhalt: Gemeinsam mit zwei jungen Männern, Werner und Wolfgang, überfällt die junge Christa eine Bank, um mit der Beute einen Kinderladen vor der Schließung zu bewahren. Während Wolfgang verhaftet wird, können Christa und Werner entkommen. Doch ihre Flucht wird zur Odyssee – nirgends können sie sich dauerhaft verstecken. Und der Kinderladen will das Geld aus dem überfall nicht einmal annehmen. Nachdem Werner auf der Flucht erschossen wird, taucht Christa in einer landwirtschaftlichen Kooperative in Portugal unter. Bis man auch dort die Wahrheit über ihre Vergangenheit erfährt …

Die Blechtrommel

Die Blechtrommel Regie: Volker Schlöndorff
Drehbuch: Jean-Claude Carriére, Volker Schlöndorff, Franz Seitz
Kamera: Igor Luther
Schnitt: Suzanne Baron
Cast: David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, u.A.
Genre: Drama
Jahr: 1979
Länge: 142 Min.

Inhalt: Danzig, 1924. In der Familie Matzerath kommt ein Kind zur Welt. Vom Augenblick seiner Geburt an ist der kleine Oskar ein überaus frühreifes, hellhöriges Bürschchen. Schon in den Armen seiner Mutter beginnt der Säugling, seine Umwelt mit großer Skepsis zu betrachten. Zu seinem dritten Geburtstag bekommt Oskar eine Blechtrommel geschenkt. Und an diesem Tag beschließt er aus einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung heraus, sein Wachstum einzustellen. Geistig und männlich entwickelt er sich sehr wohl weiter, doch seine körperliche Erscheinung schafft von diesem Tag an automatisch eine gewisse Distanz zwischen Oskar und der Welt der „Erwachsenen“. Auf seiner hämmernden Blechtrommel und mit seiner Fähigkeit, Glas zu zersingen, artikuliert er seinen Protest gegen die verlogene, intrigante Welt der Erwachsenen. Dabei hat der junge Mann, der auf seine Umwelt stets wie ein unbedarftes Kind wirkt, etwas ebenso Genialisches wie Diabolisches an sich. Er treibt seine beiden mutmaßlichen Väter in den Tod, macht Karriere als Frontkünstler für die Truppen der Nazis – und bleibt dabei doch stets höhnisch und distanziert. Erst nach Endes des Zweiten Weltkriegs beschließt er, sein Wachstum fortzusetzen, um künftig mitbestimmen zu können.

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